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Pressemitteilungen der Mitglieder der WaSEG

Wald und Gesundheit

Das Wohlergehen der Menschen hängt in besonderem Maße von einer intakten Umwelt ab. Der Wald leistet – direkt und indirekt – einen wichtigen Beitrag für die menschliche Gesundheit. Allerdings kann nur ein gesunder Wald essentiell zum Klimaschutz beitragen und vielfältige Ökosystemleistungen bereitstellen.

Wälder liefern nicht nur saubere Luft, frisches Trinkwasser, gesunde Lebensmittel und Heilpflanzen, sie sind auch unverzichtbar für den  Klimaschutz. Wachsende Bäume  entziehen der Atmosphäre Kohlendioxid (CO2) und produzieren Sauerstoff (O2). Ein großer Teil des Kohlenstoffbestandes ist in Wäldern gespeichert. Darüber hinaus bieten die Baumbestände  einen natürlichen Hitzeschutz und tragen zur Abmilderung von Extremwetterereignissen bei.

Waldaufenthalt stärkt die geistige, körperliche und soziale Gesundheit

Waldbesuche steigern das menschliche Wohlbefinden und wirken sich positiv auf die körperliche, mentale und soziale Gesundheit aus. Das wurde wissenschaftlich bereits mehrfach bewiesen. In einer groß angelegten europäischen Studie wurden fünf Schlüsselmechanismen für den gesundheitlichen Nutzen von Wäldern ermittelt.

  1. Verminderte Lärmbelastung und Luftverschmutzung:
    Lärm und Luftverschmutzung, aber auch Hitze sind unterschätzte Gesundheitsrisiken. Bäume filtern Feinstaub aus der Luft, kühlen durch Verdunstung ihre Umgebung und absorbieren Lärm. Damit tragen Wälder zur menschlichen Gesunderhaltung bei.
  2. Erholung und Stressreduktion:
    Bewegung in der Natur bewirkt ein Absenken der Stresshormonkonzentration im Blut und eine Verminderung des Blutdrucks sowie der Herzfrequenz. Stress, Ängste und andere negative Gefühle werden ebenfalls positiv beeinflusst. Durch die Abwesenheit von Stressreizen kann sich der menschliche Geist in Wäldern und anderen natürlichen Umgebungen besonders gut erholen.
  3. Vermehrte körperliche Aktivität:
    Wälder bieten einen Ort für Bewegung und körperliche Betätigung, die ein wesentliches Element der Primärprävention für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes Typ-II darstellt.
  4. Aktivierung und Steigerung des Immunsystems:
    Hier stehen vor allem die Entspannungs- und Erholungswirkung im Vordergrund. Aber auch der Kontakt mit der natürlichen Umgebung und der Einfluss von Mikroorganismen, Pflanzen, Tieren oder Pilzen kann die Wahrscheinlichkeit für Allergien und Autoimmunerkrankungen verringern.
  5. Verbesserung der Sozialkontakte:
    Wälder sind Begegnungsorte und ermöglichen es, soziale Beziehungen zu knüpfen und zu stärken. Ein stabiles soziales Gefüge wirkt sich positiv auf das emotionale Wohlbefinden sowie die Lebensqualität aus und ist somit auch gesundheitsförderlich.

Wälder als Therapieorte

Aufgrund der nachgewiesenen positiven Wirkungen, die Waldaufenthalte auf die menschliche Gesundheit haben, wächst auch das medizinische Interesse an Wäldern. Deutschlandweit entwickeln sich vielfältige waldbasierte, gesundheitstouristische Aktivitäten und Angebote. Dazu zählen z. B. waldpädagogische Führungen, präventive Waldprogramme, Achtsamkeits- und Naturerfahrungsangebote oder sportliche Aktivitäten.

Darüber hinaus entstehen immer mehr lokale Gesundheitsprojekte, die auf bestimmte Waldgebiete begrenzt sind. Dazu zählen auch Kur- und Heilwälder, die explizit der Gesundheitsnutzung gewidmet sind.

Kur- und Heilwald

Kurwald: ist ein naturnahes Waldgebiet, das die Gesundheitsvorsorge und die natürliche Gesundheitsförderung von Menschen unterstützt.

Heilwald: ist ein definiertes Waldgebiet, das für die therapeutische oder rehabilitative Behandlung unterschiedlicher Erkrankungen gestaltet ist. Er ist sozusagen ein medizinischer Behandlungsraum in der freien Natur. Voraussetzungen: therapeutische Infrastruktur und qualifiziere Waldtherapeuten.

Gesundheitswälder sind bereits in ersten Landesgesetzen verankert (Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz). Auch in anderen Bundesländern, wie z. B. Bayern, existieren, initiiert durch Kommunen und Kliniken, bereits Kur- und Heilwälder.

Der Beitrag von Wäldern im Kampf gegen die Klimakrise

Wälder sind nicht nur Betroffene der Klimaveränderungen, sie spielen auch eine bedeutende Rolle bei der Anpassung an die Folgen der Klimakrise. Die deutschen Wälder speichern enorme Mengen an CO2 und entlasten die Atmosphäre jährlich um rund 44 Millionen Tonnen des klimarelevanten Gases. Verstärkt wird diese positive Wirkung durch die Speicherung von Kohlenstoff in langlebigen Holzprodukten. Jeder Kubikmeter Holz enthält ca. 0,3 Tonnen Kohlenstoff. Holzprodukte binden damit noch einmal etwa 8 Millionen Tonnen CO2 im Jahr. In langlebigen Holzprodukten bleibt es Jahrzehnte lang gebunden. Die deutsche Forst- und Holzwirtschaft trägt also entscheidend zum Erreichen der beschlossenen Reduktionsziele der deutschen Treibhausgasemissionen bei. Die derzeitigen Waldschäden, bedingt durch die Klimakrise, stellen dafür allerdings eine reale Gefahr dar.

Die Gesundheit der deutschen Wälder

Der Waldzustandsbericht 2023 des BMEL zeigt deutlich: Deutschlands Wälder leiden stark unter den Folgen der Klimakrise. Vor allem die hohen Temperaturen und Dürre der letzten Jahre haben den Wäldern stark zugesetzt.

Anhaltspunkte zur Beurteilung des Zustandes und der Vitalität der deutschen Wälder liefern vor allem der Kronenzustand der Waldbäume (Kronenverlichtung) sowie der Totholzanteil. Der Kronenzustand hat sich gegenüber dem Vorjahr nicht verändert und setzt damit den negativen Trend der vergangenen Jahre fort. Das bedeutet, nach wie vor ist eine hohe Kronenverlichtung bei allen Baumarten zu verzeichnen. Nur 20 % der Waldflächen sind ohne Kronenschäden.

Der negative Zustand der Wälder wird auch durch den erhobenen Totholzanteil deutlich. Dieser befindet sich, laut Waldzustandsbericht 2023, mit 2,6 Prozent weiterhin auf einem hohen Niveau. Auch der Anteil an Bäumen, die seit der letzten Erhebung abgestorben sind, ist mit 4,7 Prozent weiterhin hoch, wenn er auch im Vergleich zu 2022 um zwei Prozentpunkte gefallen ist. Vor allem die abiotisch bedingten Ausfälle z. B. durch Windwurf oder Vertrocknen sind 2023 im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen.

Förderung eines klimaangepassten Waldumbaus

Eine der derzeit bedeutendsten Aufgaben für die Forstwirtschaft besteht in der Anpassung der deutschen Wälder an die Folgen der Klimakrise. Um Waldbesitzende beim klimagerechten Waldumbau zu unterstützen, fördert die Bundesregierung den klimaangepassten Waldumbau. Mit dem Aktionsprogramm „Natürlicher Klimaschutz“, für das bis 2027 rund 3,5 Milliarden Euro bereitstehen, finanziert sie das Förderprogramm „Klimaangepasstes Waldmanagement“. Unterstützt werden damit Betriebe, die ihre Wälder nach 11 bzw. 12 Kriterien bewirtschaften, die nachweislich sowohl über den gesetzlichen Standards als auch über bestehende Zertifizierungen hinausgehen. Ziele der Förderung sind der Aufbau widerstandsfähiger Wälder, die Bewahrung und Stärkung der Biodiversität, die Sicherung der Ökosystemleistungen und der Erhalt des natürlichen CO2-Speichers.

Kriterien eines klimaangepassten Waldmanagements

1. Vorausverjüngung

2. Natürliche Verjüngung hat Vorrang

3. Verwendung standortheimischer Baumarten

4. Natürliche Entwicklung auf kleinen Flächen zulassen

5. Größere Baumartendiversität schaffen

6. Verzicht auf Kahlschläge

7. Mehr Totholz für mehr Leben

8. Lebensräume mit Habitatbäumen schaffen

9. Weniger Bodenverdichtung – größere Rückegassenabstände

10. Verzicht auf Dünge- und Pflanzenschutzmittel

11. Wasserhaushalt verbessern

12. Raum für natürliche Entwicklung geben

Darüber hinaus werden die Maßnahmen „Waldumbau“ und „Wiederbewaldung“ über die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) gefördert. Damit haben die Länder eine gute Grundlage, um entsprechende Maßnahmen in ihre jeweiligen Programme aufzunehmen und in die Fläche zu bringen.

Weiterführende Informationen:

Bundesplattform Wald – Sport, Erholung, Gesundheit (WaSEG)

Grafik - 5 Schlüsselmechanismen des gesundheitlichen Nutzens von Wälder

Grafik - Klimaschutzeffekt von Wald und Holz

Wissenswertes – Internationaler Tag der Wälder 2023

Quellen:

BMEL – Waldzustandserhebung 2023

Forst Europe - Human Health and Sustainable Forest Management

LWF aktuell 138 – Therapieort Wald

SRU – Umwelt und Gesundheit konsequent zusammendenken

TU München – Wald und Gesundheit

Pressekontakt:

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.
Martina Plothe
Tel.: +49 3843 6930-311
Mail: m.plothe(bei).fnr.de

Erstellt von Juliane Dabels
Wälder dienen auf vielerlei Weise der menschlichen Gesundheit. Sie produzieren nicht nur frische Luft und sauberes Grundwasser, sie sind vor allem auch Ort für die körperliche Bewegung und geistige Erholung. Bild: ©U. J. Alexander - stock.adobe.com

Wälder dienen auf vielerlei Weise der menschlichen Gesundheit. Sie produzieren nicht nur frische Luft und sauberes Grundwasser, sie sind vor allem auch Ort für die körperliche Bewegung und geistige Erholung. Bild: ©U. J. Alexander - stock.adobe.com

Laut einer Studie des BMEL zu Freizeitaktivitäten im Wald kommt jede und jeder Deutsche auf rund 28 Waldbesuche im Jahr. Der überwiegende Teil der Befragten nutzt den Wald mindestens einmal im Monat vor allem für körperliche Aktivitäten. Grafik: FNR

Laut einer Studie des BMEL zu Freizeitaktivitäten im Wald kommt jede und jeder Deutsche auf rund 28 Waldbesuche im Jahr. Der überwiegende Teil der Befragten nutzt den Wald mindestens einmal im Monat vor allem für körperliche Aktivitäten. Grafik: FNR

Nur ein gesunder Wald kann die vielfältigen Ökosystemleistungen und damit auch die vielfältigen Beiträge für die menschliche Gesundheit bereitstellen.  Durch ein klimaangepasstes Waldmanagement sollen die Folgen der Klimakrise eingedämmt werden. Bildquelle: ©eyetronic - stock.adobe.com

Nur ein gesunder Wald kann die vielfältigen Ökosystemleistungen und damit auch die vielfältigen Beiträge für die menschliche Gesundheit bereitstellen. Durch ein klimaangepasstes Waldmanagement sollen die Folgen der Klimakrise eingedämmt werden. Bildquelle: ©eyetronic - stock.adobe.com

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